Browseroptimierung für Onlineshops – Was macht Sinn?

Nachdem Google im Juni mitteilte ab August keine älteren Browser mehr zu unterstützen, stellt sich die Frage ob Onlineshop-Betreiber dem Beispiel Googles folgen sollen oder eher nicht? Schließlich ist der Aufwand für die Optimierung älterer Browserversionen nicht zu unterschätzen.

Folgende  Browserversionen und ihre Vorversionen sind betroffen:
Firefox 3.5, Internet Explorer 7, Safari 3
Nicht weiter verwunderlich ist, dass der hauseigene Browser Chrome nicht in dieser Liste enthalten ist.

[Update 04.11: Zum Thema Google unterstützt nur die neusten Browser. Habe aktuell auf Firefox 7.01 geupdated und muss feststellen das Analytics V5 nicht richtig geladen wird. Soweit zum Thema Google unterstützt nur die neusten Browser. Ich würde sagen, man sollte nicht den neusten Browser haben und nicht den ältesten]

Für eine Optimierung des Shops für die neusten Browser spricht der Vorteil, dass Features wie HTML5 schöne Seiten mit dynamischen Inhalten ermöglichen. Schließlich verkauft auch das Auge. Das bringt gleichzeitig den Vorteil mit sich, dass man auf Flash verzichten kann, was als Shopbetreiber sowieso nicht emfehlenswert ist. Daneben bringen die neuen Browser jede Menge Sicherheit und Komfort, auch in Sachen Geschwindigkeit.  Doch trotz all dieser Vorteile darf nicht vergessen werden, dass immer noch eine nicht unerhebliche Anzahl der Besucher alte Browser verwenden, insbesondere die typischen Windowsnutzer, die mit dem Internet Explorer nach wie vor zufrieden sind.

Da ich ein Freund von harten Fakten und Zahlen bin, habe ich neben den Argumenten, die auf der Hand liegen, einen Blick in einige Analytics-Account meiner Kunden geworfen. Mein Hauptaugenmerk gilt dabei dem Internet Explorer, da er die größte Zahl von Besuchern im Vergleich zu alten FF oder Safari-Versionen aufweist. Hier komme zu dem Ergebnis, dass im Schnitt 12-14% aller Besucher den IE7 verwenden und knapp 4-5% den IE6, in der Summe demnach ca. 18%.


Rechnen wir das nun runter auf den Gesamtanteil der IE-Nutzer, der bei ca. 24% liegt, dann haben wir im Ergebnis 4,32% Besucher, die den IE7 und Älter verwenden.

Um das ganze Fortzuführen habe ich im Anschluss den Umsatz analysiert, für den die jeweiligen Browserversionen verantwortlich sind. Einer meiner Kunden generiert 5,81% seines Umsatzes über IE6+7. Einen noch größeren Umsatzanteil weist der Kunde für die IE Browserversionen 8 und 9 auf.  Die Gesamtnutzung des IE liegt zwar nur bei 24%, aber der Umsatzanteil bei 37,5%. Das zeigt, dass der Käufertyp des Kunden ein typischer IE-Nutzer ist. Demgegenüber ist der Onlineshop des Kunden aber auch etwas Oldschool-lastig, wodurch man die Zielgruppe womöglich stärker anspricht. Neuste Funktionen für typische Nutzer der neusten Browsergeneration fehlen.

Anschließend habe ich die einzelnen Umsätze dem Gesamtumsatz gegenübergestellt. Dabei habe ich an dieser Stelle gleich mal Beispielrechnungen für Onlineshops mit verschiedenen Jahresumsätzen erstellt. Seht am besten selber:


Wer möchte, kann sich hier mein Excel-Dokument downloaden und selbst nachrechnen: Download: Onlineshop-Umsatzanalyse-Internet-Explorer-6-und-7

Ein interessantes Ergebnis würde ich sagen. Der Umsatz, den die alten Browser IE6+IE7 im vorliegenden Beispiel generieren ist demnach nicht zu unterschätzen. Selbst bei einem kleinen Onlineshop mit einem Jahres-Nettoumsatz in Höhe von 1 Mio. EUR kommen immer noch 58.125 EUR Umsatz zusammen. Bei einem großen Onlineshop, der die 100 Mio. EUR Marke überschreitet sind es dann schon 5,8 Mio. EUR.

So gesehen reden wir über eine ganze Menge Umsatz, den IE 6 und IE7 noch immer generieren. Was empfiehlt man nun dem Kunden, dem Google Beispiel folgen und Support beenden oder weiterhin optimieren?
Ich für meinen Teil komme zu dem Ergebnis, dass eine Optimierung des Onlineshops für alte Browserversionen nach wie vor unabdingbar ist. Der Grund liegt auf der Hand. Es geht hier nicht um Funktionen, mit denen man kein Geld verdienen kann, so wie Google nur indirekt Geld verdient mit Googlemail, Analytics oder Google+1, sondern um echten Umsatz. Für Google sind das Dienste, die einen Mehrwert bieten, der Hauptumsatz kommt aber nach wie vor über Google Adwords rein. Und hier funktioniert eine Auslieferung selbst im IE6, schließlich möchte man keinen Umsatz verlieren. Nicht zu vergessen, dass Kunden die Googlemail nutzen wollen mit Sicherheit schnell updaten werden. Im Onlineshop sieht die Sache sicher anders aus, denn der Kunde benötigt bekanntlich nur einen Klick und schon ist er weg.

Da selbst bei einem vergleichbar kleinen Onlineshop ein nicht unerheblicher Betrag an Einnahmen über alte Browser generiert wird, sollte man die Optimierung in jedem Fall mit der Agentur oder der eigenen IT-Abteilung besprechen, um den Aufwand für die Anpassung des Onlineshops an alte Browserversionen zu kalkulieren. Ist dieser Wert nicht utopisch, dann empfehle ich weiterhin eine Optimierung. Letztlich sollte noch erwähnt werden, dass eine Optimierungen des Onlineshops für moderne Browser die Verwendung alter Browser nicht ausschließt. Schließlich kann man steuern welche Shopansicht der Kunde zu Gesicht bekommt.

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Über Henryk

Henryk Lippert beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit E-Commerce, Online Marketing, Multichannel, Internationalisierung & Usability. Dabei konnte er ein umfassendes Wissen aufbauen. Henryk Lippert lebt in London und arbeitet hauptsächlich in England und Deutschland.

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