Erfolgreich ins Ausland verkaufen – Umsatzsteuer Schwellenbeträge beachten!

Deutsche Onlinehändler, die ins EU-Ausland verkaufen und einen jeweils verbindlich festgelegten Umsatzwert im Zielland übersteigen sollten sich unbedingt Gedanken über die sogenannten Umsatzsteuer-Schwellenbeträge (Engl.: Threshold) machen. Andernfalls steht bei der nächsten Steuerprüfung eine dicke Überraschung ins Haus, da das Finanzamt die Beträge innerhalb der EU melden muss.

Was heißt das für den Onlinehändler genau?

Grundsätzlich kann ein Onlinehändler seine Produkte innerhalb der gesamten Europäischen Union anbieten. Die Umsatzsteuer führt er in seinem Heimatland ab, solange der jährliche Umsatz einen gewissen Schwellenwert nicht überschreitet (es gilt das Ursprungslandprinzip).

Erreicht der Händler diesen Grenzbetrag, der je nach EU-Land unterschiedlich ist, muss der Onlinehändler eine Umsatzsteuer-ID in dem jeweiligen Land beantragen, damit er dort seine Umsatzsteuer abführen kann.

Einige Beispiele für Umsatzsteuer-Schwellenbeträge:

In den Niederlanden, Frankreich und Italien liegt der Schwellenbetrag (Threshold) bei 100.000 EUR. Großbritannien hat den Betrag auf 70.000 GBP festgelegt.  Spanien, Irland und Österreich haben den Betrag bei 35.000 EUR angesetzt. Eine aktuelle Übersicht der jährlichen Schwellenbeträge findet sich auf den Seiten der Europäischen Kommission oder als Download am Ende des Artikels.

Was muss der Onlinehändler machen?

Das klingt nun alles erst mal etwas kompliziert und ist es auf den ersten Blick auch. Der Onlinehändler muss sich nun an das jeweilige zuständige Finanzamt des jeweiligen Landes wenden, um dort eine UST-ID zu beantragen. Eine Abrechnung über das deutsche Finanzamt ist leider noch nicht möglich, aber auch hier kommt es hoffentlich irgendwann zu einer Harmonisierung. Glücklicherweise sind einige Länder hier aber schon international aufgestellt und unterstützen verschiedene Landessprachen (Englisch fast immer, Deutsch teilweise auch) für die Anmeldung und Abwicklung, schließlich geht es hier um nicht zu vernachlässigende Einnahmen.

Nach Erhalt der Steuernummer führt der Händler ab sofort die Umsatzsteuer in dem jeweiligen Land ab. Dabei kann sich der Händler entscheiden, ob er ab dem 1 EUR Umsatz die Umsatzsteuer in dem Land abführt, oder erst ab Erreichen der Schwelle.

So ist es möglich, sich u.U. auch einen Vorteil zu erarbeiten wie z.B. in Spanien oder einigen Ländern Osteuropas, wo die Steuersätze unterhalb von 19% liegen. Der Händler kann sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. In anderen Ländern dagegen (UK, Frankreich, Skandinavien, Benelux u.a.) ist er gezwungen erhöhte Steuersätze abzurechnen. Hier wäre es für den Onlinehändler also sinnvoll erst bei überschreiten der Umsatzschwelle die Steuern in dem jeweiligen Land zu entrichten. Eine andere Alternative wäre es, in den Ländershops den Brutto-Preis individuell zu regeln, damit dem Händler keine Verluste entstehen. Achtung: Bei einem Onlineshop mit nur einer Domain wird es jetzt kompliziert, da der angezeigte Preis im Shop immer den Endpreis inkl. USt. angeben muss. Eine Änderung im Warenkorb zzgl. Umsatzsteuer, wie aus den USA bekannt ist in der EU nicht zulässig. Allerdings empfehle ich Händlern für den Verkauf im Ausland auch auf eine eigene Landesdomain setzen, da das allein schon in der psychologischen Außendarstellung gegenüber heimischen Kunden einen Vorteil mit sich bringt.

Notwendige Änderungen am Onlineshop

Hat der Onlinehändler diese Hürde genommen und die jeweilige Umsatzsteuer-ID beantragt sollte er sich noch Gedanken über notwendige Änderungen im Onlineshop machen.

Verkauft ein Händler nur aus einem Onlineshop heraus nach ganz Europa (com- oder de-Domain), dann wäre es sinnvoll die ausgewiesene Mehrwertsteuer in den Artikeldetails nicht direkt mit einem Steuersatz zu hinterlegen (häufig sieht man bei Händlern den Satz „inkl. 19% USt., zzgl. Versand, letzteres ist dann meist mit einem Popup oder Link verbunden zu weiteren Informationen). Von daher bietet sich hier eine Information an wie z.B. „inkl. USt. zzgl. Versand, beides Verbunden mit einer Infoseite).

Da es gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der Onlineshop den Kunden während des Checkout-Prozesses über die Steuern informiert, sind auch am Onlineshop einige Änderungen notwendig. Viele Onlineshops bieten aber mittlerweile die notwendigen Funktionen, um für verschiedene Lieferländer unterschiedliche Steuersätze zu hinterlegen.

Verkauft der Händler über verschiedene sogenannte Multistores auf den jeweiligen Landes-Domains, ist das Prozedere deutlich einfacher, da der Händler hier die jeweils gültigen Steuersätze hinterlegen kann.

Ist auch diese Hürde genommen, steht einem Verkauf der Ware ins Ausland oberhalb der Umsatzschwellen nichts im Wege.

Weitere Informationen inkl. aktueller Liste der Umsatzschwellen

Europäische Kommission – Bereich Steuern & Zollunion

Download PDF Umsatzsteuer Schwellenbeträge Europa (Stand September 2011)

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Über Henryk

Henryk Lippert beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit E-Commerce, Online Marketing, Multichannel, Internationalisierung & Usability. Dabei konnte er ein umfassendes Wissen aufbauen. Henryk Lippert lebt in London und arbeitet hauptsächlich in England und Deutschland.

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7 Kommentare zu Erfolgreich ins Ausland verkaufen – Umsatzsteuer Schwellenbeträge beachten!

  1. Stefanie Gerste 19/12/2011 at 13:39 #

    Danke für den ausführlichen Artikel. Gerade im Zusammenhang mit dem Import von Videospielen und Kleidung aus England bin ich schon öfter auf dieses Thema gestoßen und nie so richtig fündig geworden.

    Artikel ist direkt in meine Bookmarks gewandert! ;)

    • Henryk 19/12/2011 at 13:49 #

      Hallo Stefanie,
      es freut mich, dass mein Artikel die gesuchten Informationen enthält :) . Bei dem Import von Produkten ist natürlich der Verkäufer in England für die Zahlung von VAT zuständig. Anders wäre es jetzt, du verkaufst aus UK heraus an Endkunden in Deutschland, dann kannst du dich auch statt 20% UK VAT für 19% Umsatzsteuer in Deutschland entscheiden. Umgekehrt ist es bei Lieferung an Endkunden in UK so, dass du bis 100.000 EUR Verkaufswert die Umsatzsteuer in Deutschland abführen kannst und ab 100.000 EUR die VAT direkt in UK bezahlst.

  2. Andre 25/09/2012 at 02:44 #

    Hallo,
    vielen Dank für diese klar aufgeführte Situation. Mit einer Zweigniederlassung einer UK Limited in Deutschland muss ich also davon ausgehen, dass ich nach der deutschen Regelung bedacht werde und erst ab 100.000 € Umsatz auf UK-Vat gehen muss, wenn ich eine englische Kundschaft online bediene, richtig?
    Das Doppel-Besteuerungsabkommen ist ja soweit klar.
    Solange ich unter 100k Umsatz mache, deutsche Umsatzsteuer.

    Aber wie ist es denn mit der Bedienung von Kunden die im engslichsprachigen Online-Shop (quasi Germany-Based, halt nur mit .com- oder .co.uk-Domain und in englisch, selbstverständlich) diese aber wiederum selber als Privatpersonen in einem anderen EU Land ansässig sind, beispielsweise Spanien??

    Muss wegen diesem Privatkunden (bei erreichtem Umsatzsteuerschwellenbetrag) aus Spanien nun extra der Mehrwertsteuersatz von Spanien bezahlt werden, an Spanien?

    Oder gitl dann wieder erneut die Wahlmöglichkeit?

    Vielen Dank im Voraus.

    • Henryk 25/09/2012 at 10:10 #

      Hi Andre,
      vielen Dank für Deine Mail. Grundsätzlich gilt die Regelung nach meinem Verständnis für Unternehmen, die in einem EU-Land X beheimatet sind und mit Verbrauchern in ein einem anderen EU-Land Y Handel betreiben. Bei dir ist die Konstellation allerdings anders, da du den Hauptsitz in UK hast und eine Zweigniederlassung in Deutschland betreibst. Somit bist du ja in UK sowieso VAT-Steuerpflichtig? Ich bin kein Anwalt und kann (und darf) Dir da keine rechtlich relevante Antwort geben, aber ich möchte meinen, dass es nun darauf ankommt, mit welchem Unternehmen du den Handel betreibst, bzw. wer nach außen in Erscheinung tritt. Ist es die dt. Betriebsstätte, die nach UK verkauft, kannst du womöglich über die dt. USt. abrechnen (bis zu dem Schwellenwert). Ist es aber die englische Limited, dann wirst du sicher nicht um die UK VAT herum kommen (Wichtig, in UK sind es 70.000 GBP, also derzeit nicht ganz 100.000€). Ich mag eigentlich keine Werbung machen, aber an der Stelle kann ich dir nur empfehlen dich rechtlich beraten zu lassen. Frage doch am besten mal bei St Matthews in London nach: http://www.steuerkanzlei.co.uk. Die Kanzlei ist spezalisiert auf dt. und engl. Kunden. Die sollten darauf mit Sicherheit eine Antwort für Dich haben ;) . Ich würde mich freuen, wenn Du mir mal eine Info zukommen lässt, sobald du genaueres weißt :) . Viele Grüße, Henryk

      • Andre 26/09/2012 at 03:16 #

        Hi,
        ich hab da mal weiter recherchiert und (im Grunde altes) Wissen aufgefrischt. Da der Sitz der Geschäftsleitung, bzw, der Ort an dem die hauptsächliche Führung der Geschäfte stattfindet, die Grundlage für die Bewertung der Besteuerung ist, wird eine Limited, die in Deutschland betrieben wird, wie jede andere deutsche Kapitalgesellschaft behandelt. Ist bei uns derzeit der Fall.
        Es gibt da noch das DBA zwischen UK und BRD, was vermeidet, dass etwaige Beträge doppelt besteuert werden. Demnach ist es so, dass Umsätze die durch Geschäfte mit EU-Privatkunden genauso behandelt werden, wie oben beschrieben.
        Die Hauptniederlassung betreibt keine eigenen Geschäfte und ist auch kein Betrieb, daher hat diese auch jegliche Steuer mit Null abzugeben.
        Die Betriebsstätte nach England zu verlegen, bzw. diese dort zu betreiben wäre ja möglich durch den Betrieb eines Servers, dachte ich mir. Das UK sieht es aber leider nicht so, wie manch anderer OECD – Staat, dass ein Server eine Betriebsstätte begründet, denn dann könnte man das ganze wie eine engsliche Firma betreiben, ohne Personal.
        Im Endeffekt sehe ich die UST/VAT Lösung aber keinesfalls als Hinderniss an, bzw. als nennenswerten Nachteil, da die eigentlichen Nachteile sich ja auf deutschem Boden deutlich zeigen. Wir haben verschiedene Shops für deutsche Kunden entwickelt und, Nein, worüber die sich Sorgen machen (oder auch vergessen sich zu sorgen), damit möchten wir tatsächlich nichts zu tun haben. Der Schwachsinn der hier abläuft hat leider nur sehr wenig Sinn.

        Aber nach wie vor sehr interessant ist die Frage, was passiert, wenn die deusche Firma einen englischsprachigen Shop betreibt und dort kein Engländer einkauft, sondern ein Italiener, Spanier oder Holländer. Daher werde ich morgen mal bei der AHK anrufen, gefolgt vom Bundeszentralamt für Steuern, da ich es einfach konkret wissen muss.

        Danke für die Empfehlung zu Matthews. Ich weiss zwar nicht wie Du drauf kommst (wahrscheinlich aus Goodwill), aber das Erste Jahr unserer Limited wurde dort geführt. Jeder gezahlte Euro war ein verschwendeter Euro (hatte auch mit Lehrgeld nicht viel zu tun :-) ) Die betreiben meines Erachtens die ganze Limitedgründerei nur als Hobby. Ich hate kaum Kontakt mit fähigen Menschen, Support war null vorhanden und Versprechen wurden mehrfach nicht eingehalten, sodass wir einfach kündigten und nicht einmal darauf eine Antwort erhielten.
        Absolute Nicht-Empfehlung. Und wir waren immer freundlich, hatten kaum Fragen und haben auch keinen Quatsch gefordert. Wie gesagt, die Affinität zu England kommt nicht von ungefähr, ich komme da auch ganz gut ohne Beratung von Firmengründern klar, weshalb wir die eher untypisch wenig beansprucht haben. Ich würde Leute also eher warnen, als die zu Matthews zu schicken, sorry. Ich halte Dich auf dem Laufenden, was das Hinundher mit der USt betrifft.

        Ciao.

        • Henryk 27/09/2012 at 16:25 #

          Dann wird einiges klarer, d.h. du hast die betreibst die Geschäft direkt aus Deutschland aus der Betriebsstätte. Die englische Limited ist demnach nicht aktiv beteiligt und übt in England auch keine Geschäfte aus, bzw. geht keiner direkten Geschäftstätigkeit nach (zb. Verkauf, Angestellte vor Ort). Unter der Konstellation gehe ich ebenfalls davon aus, dass du ganz normal über die dt. Betriebsstätte umsatzsteuerpflichtig bist, auch wenn du nach England verkaufst. Und da die VAT in England ja bei 20% liegt und in Deutschland nur bei 19%, macht es Sinn nach England mit dt. VAT zu verkaufen, solange du unterhalb des Schwellenwertes bleibst. Auf der anderen Seite ist natürlich sowieso die Frage, ob du an Endkunden oder Geschäftskunden verkaufst. Denn dann ist das ja nicht relevant, da umsatzsteuerfreie innergemeinschaftlicher Verkauf.
          Willst du die Betriebsstätte nach England verlegen brauchst du m.E. schon etwas mehr, als einen Server. Dazu gehört nach englischem Recht eine ordentliche Postadresse und jemand, der auch Telefonanrufe entgegen nimmt, dazu evt. Angestellte, wobei man als Deutscher Arbeitnehmer auch bei einer englischen Limited angestellt sein kann. Allerdings muss man dann die Sozialversicherungsabgaben bei Wohnsitz in DE dann selber abführen. Das müsste man allerdings mal durch einen Anwalt prüfen lassen, ob das dann ausreichend ist ;) .

          die eigentlichen Nachteile sich ja auf deutschem Boden deutlich zeigen

          Dem kann ich dir nur zustimmen. Stichpunkt Abmahnungen reicht hier eigentlich schon aus zu nennen :) Dazu dann viele weitere Regelungen in Deutschland, die in England bei weitem nicht so ausgeprägt sind

          Ich würde Leute also eher warnen, als die zu Matthews zu schicken

          Ich habe da andere Erfahrungen, aber wie gesagt ich wollte hier gar keine Werbung betreiben, denn ich habe daraus keinen Vorteil, sondern lediglich einen Tip geben, um da ggf. mal anzurufen und nachzufragen. Ist natürlich schade, das du da schlechte Erfahrungen gesammelt hast. Wie das halt so ist mit dem Vorführeffekt ;) Es gibt aber auch jede Menge andere gute Steuerberater, bzw. Accounting-Services in England, zumal die teilweise echt günstig sind. Da können sich dt. Steuerberater eine Scheibe von abschneiden ;) . Ist aber auch kein Wunder, bei dem komplizierten deutschen Steuerrecht.

          Cheers

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