Britain was not amused: FA zensiert Facebook Fankommentare deutscher Besucher nach Bild-Artikel

Am vergangenen Wochenende veröffentlichte die Bild-Zeitung den Artikel “1. EM-Sieg für Jogis Jungs – Nationalelf überholt England bei Facebook“. An und für sich ein wirklich harmloser Bericht in typischem Bild-Niveau, der nicht weiter erwähnenswert wäre. Doch deutsche Fußballfans  entwickelten besonders nach einem weiteren Bericht der Bild einen schier unglaublichen Enthusiasmus die englische Facebook Fanseite zu erobern und mit Kommentaren zu spammen. Das reichte von wirklich harmlosen Kommentaren wie “Looking forward to see you in the Euro half finals 2012″ oder “4:1 footballs coming home” zu etwas unangenehmeren und peinlichen Kommentaren, die ich an dieser Stelle unerwähnt lassen möchte.

In der Summe gesehen waren es aber eher humorvolle Kommentare mit einer kleinen Portion Schadenfreude, nicht mehr und nicht weniger. Sie drückten die Freude der deutschen Fans über das letzte Aufeinandertreffen beider Teams bei der WM 2010 aus. Man könnte es auch als schwarzen Humor bezeichnen, doch damit verstehen die Engländer scheinbar doch nicht so viel Spaß und zensierten am heutigen Montag die komplette Fanseite der Three Lions.

facebook_comment_censorshipSämtliche Kommentare der vergangenen 24 Stunden wurden gelöscht. Zunächst dachte ich, dass die Kommentarfunktion nur lokal für Besucher aus Deutschland gesperrt wurde, was schon erschreckend genug ist. Da ich selber in London wohne und mich quasi auch in England heimisch fühle verfasste ich ein paar Zeilen, um zu schauen was passiert.

Es dauerte keine 5 Minuten und mein eigener Kommentar, der nun wirklich harmlos ist, wurde gelöscht. Es musste also jemand am anderen Ende der Seite sitzen, der die Fanseite permanent nach neuen Kommentaren durchforstet und zensiert. Was nicht passt wird gelöscht, ganz nach dem Motto “Wer nicht für uns ist ist gegen uns”.

Grundsätzlich kann man argumentieren, dass es sich um eine Seite der Nationalmannschaft handelt, die natürlich nur “positiv” über das eigene Team berichten soll. Doch ich bin der Meinung, dass wenn die Kommentarfunktion freigegeben und zum Diskussionsaustausch eingeladen wird, dann sollte man auch dazu stehen und nicht willkürlich Kommentare löschen, die nicht ins Bild passen.

Muss Zensur im 21 Jahrhundert wirklich sein? Schließlich handelt es sich nur um Sport. Und ist es nicht eben dieser der von Wettkampfgeist und einem gesunden Maß an Rivalität lebt, von Fankultur, Unterstützung und Leidenschaft?

Man muss zugeben, dass ein richtiger Austausch zwischen deutschen und englischen Fans gar nicht stattfinden konnte, denn der DFB hat im Gegensatz zur FA die Kommentarfunktion auf Facebook gesperrt. Zugegebenermaßen waren die Betreiber der Fanseite dadurch in die Defensive gedrängt und Ihnen blieb nichts anderes übrig als die Kommentare zu löschen.

Ich für meinen Teil finde es dennoch Schade und bin der Meinung, dass England damit eine wirklich große Chance vertan wirklich Social Media via Facebook zu betreiben. Sport & Rivalität zugleich verbinden, aber Diskussionen und andere Meinungen sollen und müssen dabei auch respektiert werden, solange sie objektiv und fair bleiben. Schließlich müssen Schalker und Dortmunder auch die Kommentare der jeweiligen Fans auf verschiedenen Webseiten ertragen, das gleiche gilt für die Münchner und Fans anderer Vereine. Und gerade die Rivalität zwischen Deutschland und England, ich nenne es mal Hassliebe, hat uns sehr häufig die größten und spannendsten Momente der Fußballgeschichte beschert.

Von daher meine ich, sollte ein modernes und weltoffenes England auch in der Lage sein die Kommentare deutscher Fans zuzulassen. Das gleiche gilt im Übrigen auch für die Webseite der deutschen Nationalmannschaft.
Ansonsten meine Empfehlung an den DFB: Schließt die Seite bitte gleich wieder, wenn Diskussionen nicht zugelassen werden sollen. Denn das gehört zur Fankultur dazu.

In diesem Sinne, Fair Play & football is comming home

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Über Henryk

Henryk Lippert beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit E-Commerce, Online Marketing, Multichannel, Internationalisierung & Usability. Dabei konnte er ein umfassendes Wissen aufbauen. Henryk Lippert lebt in London und arbeitet hauptsächlich in England und Deutschland.

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3 Kommentare zu Britain was not amused: FA zensiert Facebook Fankommentare deutscher Besucher nach Bild-Artikel

  1. Paul 17/01/2012 at 00:22 #

    Ja so sind sie die Engländer, wenn es um ihr eigenes Team geht verstehen Sie keinen Spaß :)

  2. Henryk 17/01/2012 at 00:28 #

    Die Antwort auf den Zensur der englischen Fanpage: http://www.facebook.com/groups/germany.vs.england/

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  1. Digitaler Wutausbruch: Wie man mit Shitstorms richtig umgeht | Talent Blog von IntraWorlds - 20/11/2013

    [...] gewesen wäre. Wenn die Netzgemeinde etwas hasst, dann ist es alles, was auch nur den Anschein von Zensur hat. Fanpages werden nicht als ein „privates Wohnzimmer“ des Unternehmens empfunden (auch wenn [...]

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